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Da saß ich nun, hatte nichts zu tun. Denn das Netz der Welt reichte nicht bis in meinen Raum. Der Grund? Keine Ahnung, vielleicht ist in der Nähe ein Blitz eingeschlagen und hat die Telefonleitung weggebrutzelt. Apropos Telefon: das funktioniert natürlich auch nicht. Ok, ich telefoniere nicht oft über Festnetz, lieber über das Internet oder teuer über das Handy, doch davon möchte ich heute nicht berichten. Wo war ich? Ach ja, irgendwelche höheren Mächte sind wahrscheinlich drauf und dran mich davon abzuhalten in das Internet zu kommen. Doch wieso? Wieso ausgerechnet ich? Ich war doch nur ganz kurz weg für 2 Stunden. Blöde Schuhe, Getränke und Lebensmittel. Eigentlich könnte ich das alles auch Online bestellen. Doch dann würde ich ja außer zur Arbeit gar nicht mehr aus dem Haus kommen. Und wo bliebe dann der „Spaß“ beim einkaufen? Die dummen Kunden, die orientierungslos ihre Einkaufswagen durch die Gänge schieben und ihn dabei füllen. Elektroartikel, CDs, DVDs, Textilien, Schuhe, Lebensmittel usw... Wenn ich mir das so recht überlege, möchte ich gar nicht im Laden einkaufen. Man schiebt den Wagen vor sich her, manchmal zieht man ihn auch, packt ihn voll mit den ganzen Artikeln des täglichen oder nicht so alltäglichen Bedarfs, kommt dann schließlich vor dem Ausgang noch an die Kasse und packt das ganze Zeug wieder aus. Auf dem Laufband, fährt es dann 1-2 Meter bis zur Kassierkraft, wird dort angegrabscht und meist achtlos weggeschoben oder gar gestoßen. Um dann wieder behutsam in den fahrbaren Gitterkäfig gelegt zu werden. Weiter geht die Fahrt der Lebensmittel dann aus dem Geschäft hinaus auf den Parkplatz. Wenn man Glück hat, dann ist es gerade sehr windig und der Regen spritzt einem ins Gesicht, so dass man nicht gleich bemerkt, dass der Einkaufswagen gegen die Heckklappe stößt, während man dabei ist, den Autoschlüssel ins Schloß zu stecken, oder man ist noch nicht so weit und sucht ihn noch in den ganzen Taschen die man so hat. Ist die Klappe dann geöffnet, packt man wieder alle Einkäufe um. Wer mitgezählt hat, ist nun auch bei 4 angekommen: 1. Aus dem Regal in den Einkaufswagen. 2. Aus dem Wagen auf das Kassenband. 3. Vom Kassenband in den Wagen. 4. Vom Wagen in den Kofferraum. Nun gut, wenn man ganz genau ist, kommt noch dazu, dass die Ware in Umkartons gepackt worden ist, von dort aus wurden sie in einem Lager ausgepackt, auf Paletten oder Kollies gepackt, in die Ladenlokale geschickt und dort wieder in die Regale geräumt. Aber egal, es geht ja schließlich darum wie viel Arbeit man beim Einkaufen hat und nicht darum was Artikel alles durchmachen bis sie beim Konsumenten ankommen. Wo war ich? Ach ja, beim 4. Punkt. Ist endlich alles im Kofferraum und das Wägelchen nicht weggeweht, schiebt man es zurück zu seinen Kameraden, greift sich das „Schwänzchen“ eines anderen und steckt es dem eigenen treuen Einkaufsbegleiter hinten rein, damit die Münze oder Chip herauskommt. Zurück am Auto entdeckt man im Vorbeigehen eventuell noch ein bis zwei Kratzer, schaut sich kurz um und ärgert sich, dass es keine ehrlichen Menschen gibt, die einen Zettel hinterlassen. Fahrerflucht, aber wen interessiert so etwas schon? Frustriert steigt man ein und fährt los. Während man auf den Tachometer schaut, fällt einem auf, dass man noch tanken muss. Nicht das man schon genug Geld ausgegeben hat beim Einkaufen. Doch jetzt wird einem auch der letzte Cent aus dem Geldbeutel geholt. Gibt es Alternativen? Na ja, Busse und Bahnen... oh oh...die Bahn kommt...zu spät...ok, oder auch gar nicht, wenn die Lokführer einfach mal streiken. Schlimm ist das ja nicht, dass die Leute mehr Lohn bekommen wollen. Das Problem ist, dass die Bahn dadurch wahrscheinlich mehr Verluste macht, als sie durch die Lohnerhöhungen haben würde. Aber davon hab ich ja keine Ahnung. Was ich aber weiß ist, dass das Ansehen der Bahn dadurch nicht besser wird. Zu hause angekommen, Kofferraum auf, Einkäufe raus und dann rein ins Haus und dort in die Vorratskammer oder das -regal. Danach direkt an den PC um mich dann zu wundern dass ich nicht mehr im ICQ bin, Verbindung unterbrochen. Na ja, erstmal nach Emails schauen und dann reconnecten. Doch auch das geht nicht. Was jetzt? Erstmal die Netzwerkverbindung checken. Noch verbunden. Seltsam. Schnell zum Router und Modem um festzustellen dass es rotes Lämpchen blinkt. Ganz toll! Geht das Telefon? Auch nicht! Mal beim Provider anrufen und fragen was los ist. Wow, echte Mitarbeiter, ohne Zahlen zu drücken, ich bin begeistert! Leider weiß ich noch immer nicht was noch los ist, aber ich habe bestätigt bekommen, dass weder Telefon noch DSL funktionieren. Um den blöden Fragen vorzubeugen ob alle Stecker drin sind, habe ich die Prüfung aller Stecker schon mit in die Frage eingebaut: „Hallo, ich habe ein Problem: Internet und Telefon funktionieren nicht mehr, ich habe alle Stecker überprüft und Modem und Router schon neugestartet und in der Bedienungsanleitung steht, dass ich diese Nummer anrufen soll.“ Gut dass er sich noch einmal vergewissert hat, ob auch wirklich beides nicht funktioniert. Nicht dass der nette Herr der mich später zurückgerufen hatte und mit mir einen Termin für einen Techniker ausgemacht hat, das nicht auch noch getestet hat. So als wenn alle Kunden Vollidioten sind. Ok, die meisten sind auch strohdoof. Aber ich doch nicht! Hm...na ja, ohne Internet schon ein bisschen. Oder sagen wir, ich komme temporär nicht an das Wissen heran dass ich nicht im Zwischenspeicher habe. Nicht das Wissen an das ich nicht herankomme ist das schlimme, sondern die Personen die ich kenne und die Neuigkeiten die ich dann wohl erst morgen lesen kann. Es sei denn ich schaue Nachrichten, denn zum Zeitung lesen fehlt mir die Zeit, bzw. die Zeitung. Bis zum Nachtjournal dauert es noch einige Stunden. Und mit wichtigen Menschen habe ich schon über das Handy kommuniziert. Ob ich diese Nacht ohne die Informationen aushalte? Kann ich in Ruhe und Gewissheit, dass alles in Ordnung ist, schlafen? Geht vielleicht die Welt unter und ich kann es nicht in den News lesen? Wie soll ich dann nur davon erfahren? Das Fernsehen ist mir zu einseitig. Man bekommt nur Informationen vorgesetzt kann nicht entscheiden welche davon man sehen möchte, wenn man nicht richtig aufpasst, hat man halt Pech gehabt und muss abwarten dass sie wiederholt werden, so wie die meisten Nachrichten. Jetzt aber ersteinmal Action, doch wie gesagt, einseitig und langweilig. Hätte ich doch heute Mittag beim Einkaufen interaktive Aktion für Geld erworben. Doch konnte ich ja nicht wissen dass ich vom Rest der Welt getrennt werde. So unerwartet, ohne Vorwarnung. Was schreibe ich hier eigentlich? Ich komme mir vor wie ein Junkie auf kaltem Entzug. War ich süchtig? Bin ich es noch? Kann man süchtig danach werden wenn man täglich Informationen braucht? Schön geordnet und nur die, die einen auch wirklich interessieren. Was machen jetzt alle wenn ich nicht da bin? Existieren sie überhaupt oder sind es alles nur Faker? Stecken sie vielleicht dahinter dass ich nicht online bin? Wenn ja wieso? Bin ich wichtig für das Fortbestehen des weltweiten Datennetzes, oder bin ich nur ein Kunde unter vielen ohne Besonderheiten oder Befugnisse? Vielleicht habe ich ja ein zweites ich, dass in Aktion tritt wenn ich online bin und unterbewusst mit dem Internet kommuniziert. Tolle Vorstellung. Leider kann ich jetzt damit nichts anfangen. Hätte ich mir doch so ein neumodisches Handy mit Vertrag und einer Flatrate kaufen sollen mit dem ich ins Internet kann wann und wo ich will? Obwohl diese Technik ja noch anfälliger ist. Man kann in Funklöcher geraten, oder der Akku ist einfach leer, nachdem man stundenlang im Netz gesurft ist ohne dass eine Steckdose in der Nähe war. Tolle neue Technik. Früher konnte ich mich noch gut mit Dingen beschäftigen, die keinen Strom benötigen. Aber recht schnell kam es dann doch dazu: Musikkassetten, Gameboy, Funkferngesteuerte Fahrzeuge usw. bis hin zu einem ständigen Begleiter von fast allen Menschen, dem Fernseher. Was würde Millionen Menschen in diesem Land Abend für Abend unternehmen? Miteinander am Tisch sitzen und reden? Ausgenommen von Kneipen und ähnlichen Einrichtungen. Man kann ja Abends am Kamin sitzen, die Frau strickt einen Pulli und der Mann raucht seine Pfeiffe und wippt im Schaukelstuhl vor und zurück um sich den Bewegungsablauf für später schon einmal anzutrainieren. Ich weiß was noch gemacht werden könnte! Es gibt da sowas, das nennt man Gesellschaftsspiele. Wie erkläre ich das nun? Das sind halt so offline Multiplayergames für die man nicht einmal am PC sein muss. Man trifft sich also in einem bei einer Person zu hause. Das ist sowas wie ein eigener Chatroom, in dem man alle Rechte hat. Man muss aber für jeden einzelnen der hinein möchte, die Tür öffnen, doch davon erzähle ich vielleicht ein anderes mal. ^^
Grimlock - 22. Nov, 21:16
